Buben spielen Golf – Mädchen auch

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Welches Setting muss geschaffen werden, damit sich Mädchen auf dem Golfplatz wohl fühlen?

In den letzten Jahren hat sich im Golfsport und in der Jugendförderung viel verändert, immer mehr Kinder und Jugendliche spielen Golf, erfreulicher Weise immer mehr Mädchen. Während bei den über 100 Turnieren des österreichischen Schüler Golfcups 2009 bei den U16 Mädchen nur spärlich vertreten waren, so spielten bei den unter Zwölf- und Vierzehnjährigen an die 300 Mädchen.

Die feinen Unterschiede

Buben spielen Fußball und Eishockey, Mädchen gehen Reiten oder zum Ballet – das ist das gängige Klischee. Warum aber gerade Golf ein Sport für Mädchen ist und ob man geschlechterspezifische Unterschiede machen darf oder sogar muss, sind an dieser Stelle zentrale Fragen.

Weg vom Pony, hin zum Golfschläger!

Mädchen und Buben sind verschieden, von klein auf. Neben den Geschlechterrollen, die ihnen von der Gesellschaft und dem Familiensystem zugedacht werden, unterscheiden sie sich in ihrer geistigen und körperlichen Entwicklung. Ein wichtiger Schritt in der Golf – Jugendförderung ist es Mädchen und Buben in ihren Bedürfnissen, Wünschen und Fähigkeiten wahrzunehmen. Gerade der Sport innerhalb eines Verbandes oder Kaders übernimmt außerhalb der Familie wichtige Aufgaben beim Erwachsenwerden. Der spielerische Wettkampf und der Umgang mit Gleichaltrigen bieten im Kindes- und Jugendalter wichtige Entwicklungsmöglichkeiten. Bei sportlicher Betätigung wie dem Golfspiel stehen die Förderung von Teamgeist, Fairness, Ehrgeiz, Genauigkeit und Geschicklichkeit im Vordergrund; Kommunikation und Erfahrungsaustausch sind wichtig und das spielerische Element kommt dabei nicht zu kurz.

Viele Jahrzehnte war Golf ein reiner Männersport. Es gibt in England auch im Jahr 2009 Golfplätze auf denen Frauen nicht erwünscht sind. In amerikanischen High Schools und Colleges gibt es wesentlich mehr männliche Schul-Teams, die Golf spielen, die Zahl der weiblichen Teams ist dagegen verschwindend gering. Gründe dafür mag es viele geben.

Nach wie vor sind die Strukturen und die Rahmenbedingungen im Golfsport  männlich geprägt. Turniere, Wettbewerbe und die dort herrschenden Regeln sind hoch leistungsorientiert. Sich zu messen ist eher Männer- bzw. Bubensache, Mädchen ist es vordergründig nicht wichtig sportlich im Wettbewerb zu stehen. Ist allerdings die Lust am Golfspiel einmal geweckt, ist es auch den Mädchen wichtig im Turnierspiel zu bestehen, wobei ihnen der Teamgeist und die gute Beziehung zu den Mitspielerinnen und Mitspielern sowie Freundschaften auf dem Golfplatz oft wichtiger zu sein scheinen.

Erfolg im Golfsport ist für Mädchen und Buben unterschiedlich besetzt.

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Auch die Mädchen haben in Ihren Schläger die notwendige Power

So auch der Misserfolg. Während sich Mädchen wahrscheinlich für ein Scheitern eher selbst verantwortlich machen, fällt es Buben leichter außenstehende Ursachen für ihren Misserfolg zu sehen. Buben äußern ihre Unzufriedenheit gerne lautstark und wenden sich mit ihrer Aggression eher nach außen (beim missglückten Abschlag Schläger wegschmeißen). Mädchen würden die Unzufriedenheit eher gegen sich selbst richten und auch in Kauf nehmen, sich dadurch selbst zu schaden. Diese Beispiele zeigen, dass Mädchen und Buben ohne jede Wertung unterschiedliche Motive haben, den Golfsport auszuüben und verschiedenste Mechanismen mit Erfolg und Misserfolg umzugehen.

Was wünschen sich Mädchen?

Mädchen wollen Räume die ihnen gefallen, sie wollen Platz für ihre Vorlieben. Mädchen wollen mit Jungs zusammen sein, ohne einen Gaststatus zu haben oder speziell anders behandelt zu werden. Mädchen wollen Freundinnen treffen. Mädchen wollen erwachsene Frauen als Gegenüber, an denen sie sich messen und orientieren können. Lange Zeit waren sporttreibende Frauen Außenseiterinnen, Frauen die Golf spielten eine Seltenheit. Frauen waren einmal Mädchen, Mädchen werden einmal Frauen. Sind nicht gerade die Frauen, die sich in den vergangenen Jahrzehnten in Golfclubs stark gemacht haben die guten Vorbilder, die unsere jungen Mädchen brauchen? Mädchen wollen nicht Gegenstand von „extra Mädchenförderung“ sein, sie wollen keine „Schonraum-Angebote“. Mädchen wollen sich nicht immer gegen Jungen durchsetzen müssen. Sie wollen keine Mädchengruppe, wenn „das richtige Leben“ woanders stattfindet.

Um Golfsport für Buben und für Mädchen gleichermaßen attraktiv zu machen, ist es wichtig, ihre unterschiedlichen Bedürfnisse und Fähigkeiten zu kennen, nicht sie überzogen herauszustreichen, aber beim Angebot und beim Setzen sportlicher Aktivitäten zu berücksichtigen. Mädchen muss der  Rahmen geboten werden, ohne Druck und Aggression Bewegungs-, Spiel- und Erfolgserlebnisse erfahren zu können, um das Wohlbefinden und die Kraft nach sportlicher Aktivität, im speziellen beim Golfspiel zu spüren. Gute Mädchen- aber auch Burschenarbeit im Golfsport und innovative Jugendkonzepte berücksichtigen das. Mädchen sind anders zu motivieren wie Jungen, die Gründe Golf zu spielen sind vielleicht verschiedene. Akzeptanz und Verständnis müssen groß geschrieben werden. Gerade der Golfsport bietet diese Möglichkeit. Und letztendlich geht es beim Golf auch darum, Spaß und Freude am Spiel zu haben, und das wollen Buben wie Mädchen gleichermaßen.

Zusammengefasst ist es an den  nationalen wie internationalen Golfverbänden entsprechende Angebote und TrainerInnen zur Verfügung zu stellen, um Mädchen zum Golfspiel zu animieren und sich immerwährend die Frage zu stellen:

Welches Setting muss geschaffen werden, damit sich Mädchen auf dem Golfplatz wohl fühlen und ihre Individualität wahrgenommen wird?  

Schaut „frau“ sich beispielsweise die Golfmode an, so hat es die Branche bereits verstanden, die Welt des Golfs femininer, bunter, vielfältiger zu gestalten und auf die Bedürfnisse junger Golferinnen zuzuschneiden. Das alleine reicht nicht aus. Am besten erfährt man was Mädchen wollen und brauchen, wenn man sie selbst zu Wort kommen lässt.